rumlingen und der Wald vor lauter Bäumen

Märchenstunde

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Im schönen Land Hintertupfistan haben die Krankenkassen beschlossen, ein Netzwerk zu bauen, um ihre Gesundheitsdaten sicher durchs Land und zu den Ärzten (und wieder zurück) schicken zu können.
Zugang zu diesem Netzwerk betreiben verschiedene Anbieter, unter anderem auch $Firma. In $Firma ist der Horst dafür zuständig, dieses neue Projekt einzuführen, aufzubauen, auszurollen, wie es sich eben gehört.

Zeit vergeht. Der Horst wird befördert, weil er ja seine Arbeit so gut gemacht hat, und ist jetzt nur noch fürs Marketing zuständig.
Aber wer kümmert sich jetzt um das Krankenkassennetz? Der Bernd, dem es der Chef gern aufs Auge drücken will, sagt „Ja, Horst, gib mir eine ordentliche Dokumentation vom Netzwerk und den Prozessen, und dann übernehme ich.“
Horst hat aber keine Lust. Entschuldigung, natürlich keine Zeit.
Da kommt ein Neuling in die Abteilung, der Tim. Dem kann man das doch andrehen!
Der Tim ist immer bereit, gute Arbeit abzuliefern, und übernimmt. Und dokumentiert. Und korrigiert. Und schreibt Prozesse auf. Und Arbeitsanweisungen, für die Kollegen. Tim redet mit Karl, dem Entwickler, und beide bringen den Maschinenraum in Ordnung. Und dokumentieren. In ein paar Monaten steht die Rezertifizierung durch den TÜV an, da muss alles fertig sein.

Und Horst? Der tut, was Marketingmenschen eben so tun: verkaufen. Und Versprechungen machen.
Die sich so nicht einhalten lassen. Oder gar technisch unmöglich sind.

Dummerweise kommen die Anfragen von den IT-Menschen bei den Ärzten und Krankenkassen jetzt beim Tim raus. Und Tim ist krankhaft ehrlich. Eskalationen fliegen über den Äther. Schließlich haben die Ärzte ja für diese Leistung bezahlt!

Ähm… nein, haben sie nicht. Der Vertrag läuft jeweils auf 2 Jahre, und der Horst hat halt vergessen, nach Ablauf neue Rechnungen zu schicken. Und die Ärzte sind ja nicht blöd, wenn keine Rechnung kommt zahlen die auch nicht.

Trotzdem werden die Fragen immer spezifischer.
Gespräch mit Chef, Tim und Karl. Ja, meint der Chef, da muss man wohl schauen, wie man Zugeben kann, dass da was falsch versprochen wurde, und dann schauen wie man weitermachen kann.
Montag: Gespräch mit Chef, Tim, Karl und Horst. Ergebnis: Man setzt die unrealistischen Versprechungen jetzt einfach um. Muss der Tim eben mal ein Wochenende arbeiten.

Ich glaube noch nicht, dass das für Horst zu irgendwelchen Konsequenzen führen wird.

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2 Kommentare zu “Märchenstunde

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